













Auszug aus dem Gutachten von Barbara Straka
Präsidentin der Kunsthochschule Braunschweig
Die Ästhetik des Alltags ist Arbeitsfeld und Fundus für die Künstlerin Gabriele Olschewski. Der Alltag selbst hat etwas sehr Flüchtiges, und eben diese Beiläufigkeit und Vergänglichkeit ist ihr Thema, mit anderen Worten: eine zeitgemäße Umsetzung des Vanitas-Motivs.
Dinge und Gedanken tauchen auf, werden für kurze Zeit wichtig und verschwinden wieder aus dem Blickfeld alltäglicher Abläufe. In eben diesem Moment hält die Künstlerin sie fest. Ihr Ziel ist es, eine komplexe Beziehung zwischen Sehen, Denken und Empfinden sichtbar zu machen.
Auf langen Aquarellstreifen bannt sie z.B. ihre Gedanken vom Frühstück, konzentriert ihre Aufmerksamkeit auf eine rote Thermoskanne oder auf eine Hausfrauenhand, die einen Lappen schwingt. Das Medium ist gut gewählt. Die Aquarelle wirken fragil und vergänglich.
Kaum auf das Papier aufgetragen, scheinen sie sich schon wieder zu verflüchtigen. Für ihre Visualisierungen wurde das Medium Aquarell gewählt, das der Leichtigkeit der Motive entspricht.
In ihrer zeichnerischen Arbeit forscht Gabriele Olschewski aber auch einem individuellen und originären Bildpotenzial nach, das manchmal den Stift aus tieferen Schichten des Vorbewussten zu steuern scheint.
Gabriele Olschewskis Arbeiten sind sowohl poetisch als auch humorvoll. Manche geben sich bewusst den Anstrich des Dilettantischen, was ihnen eine besondere Note der Authentizität und Spontaneität verleiht.
Ihre gestalterischen Eingriffe sind manchmal sehr sparsam, aber darum nicht weniger wirkungsvoll. Wenn sie Häuser und Plätze abbildet, dann nicht aus architektonischer Sicht, sondern weil sie sich für das Wesentliche des Ortes oder Hauses interessiert. In ihren Fotografien sind Menschen als Abwesende indirekt immer doch anwesend.
(...) eine Dritte Gruppe ihrer Arbeiten sind Performances, deren Entstehung oft mit Fotoarbeiten gekoppelt ist.
Auch hier leitet sie ihre Ideen aus dem Alltag her, doch gelingt es ihr immer wieder ritualisierten Vorgängen Originalität und bisweilen surreale Momente abzugewinnen, die zum Nachdenken anregen.
So lädt sie beispielsweise Leute zu nächtlicher Gartenarbeit ein oder füttert Hühner mit Wörtern, um die Eier zu exportieren und damit französische Gäste zu bewirten.
Während ihres Masterstudiums an der Udk Berlin, das Gabriele Olschewski im Mai 2004 erfolgreich abgeschlossen hat, entwarf sie einige bemerkenswerte partizipatorische Projekte mit Jugendlichen und Behinderten sowie Insassen der JVA- Lübeck (Vorurteile abkaufen u.a.)
Immer gelingt es der Künstlerin, nicht nur Teilaspekte einer Thematik zu sehen, sondern den alltäglichen Phänomenen auf den Grund zu gehen,
sie zu hinterfragen und übergeordnete Zusammenhänge sichtbar zu machen. Darin liegt eine besondere Stärke und Wirksamkeit ihrer Arbeit.